11.02.2010 - Medienkonferenz
Der Gotthard braucht keine 5. Röhre!
Communiqué der Alpen-Initiative

Die Sanierung des Autobahntunnels durch den Gotthard steht in 10 Jahren an. Dannzumal werden vier Tunnels durch den Berg führen. Es braucht keine 5. Röhre, um den alpenquerenden Verkehr während der Sanierung abzuwickeln. Dies belegt ein Konzept, das die Alpen-Initiative zusammen mit Fachleuten ausgearbeitet hat.

> Pressespiegel zur Medienkonferenz (pdf, 4 Mb)



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Verkehrsinfrastruktur und Verkehrsaufkommen am Gotthard
Ein Ersatzangebot für den Strassenverkehr während der Sanierung des Gotthard-Strassentunnels geht davon aus, dass die Hälfte des Schwerverkehrs bis dann auf die Schiene verlagert ist. Vom Personenverkehr dürfte ein Teil der Transits die Schweiz umfahren. Es bleibt ein Bedarf für rund 400 Personenwagen und 60 Lastwagen pro Stunde.
von Hugo Wandeler, dipl. Arch. ETH/SIA, Planer FSU, Zürich
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Konzept der zwei rollenden Strassen für Personenwagen und Lastwagen
Eine rollende Strasse für LKW und eine solche für PW können zusammen während der Sanierungszeit den gesamten Strassenverkehr aufnehmen. Die mutmasslichen Jahreskosten von 165 Mio. Franken können mit mässigen Gebühren fast vollständig finanziert werden.
von Hugo Fessler, dipl. Verkehrsing. ETH/SVI, Luzern
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Vierter Verlagerungsbericht des Bundesrates (2007-2009)
Die Verlagerungspolitik befindet sich in einer sehr heiklen Phase. Wird heute nicht gehandelt, so droht ein grösserer Rückschlag. Der Bundesrat und das Parlament sind gefordert, kräftig Gegensteuer zu geben.
Von Alf Arnold Rosenkranz, Geschäftsführer Alpen-Initiative
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Zusammenfassung und Kommentar
Der Kanton Tessin darf während der Sanierung des Gotthard-Strassentunnels nicht von der Deutschschweiz abgeschnitten werden. Dieses Anliegen teilt auch die Alpen-Initiative. Sie sieht die Sanierungszeit aber eher als eine Chance denn als Nachteil für den Kanton. Das Parlament hat es zudem in der Hand, mit der Beratung der Standesinitiativen Tessin und Uri die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene zu beschleunigen und zu sichern.
Von Nationalrat Fabio Pedrina, Präsident Alpen-Initiative
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Communiqué der Alpen-Initiative
Der Gotthard braucht keine 5. Röhre!
Die Sanierung des Autobahntunnels durch den Gotthard steht in 10 Jahren an. Dannzumal werden vier Tunnels durch den Berg führen. Es braucht keine 5. Röhre, um den alpenquerenden Verkehr während der Sanierung abzuwickeln. Dies belegt ein Konzept, das die Alpen-Initiative zusammen mit Fachleuten ausgearbeitet hat.

Die Grundidee hinter dem Konzept:

  1. Im bestehenden Bahntunnel zwischen Airolo und Göschenen wird eine rollende Landstrasse für Personenautos eingerichtet – ein Autoverlad, wie er am Lötschberg besteht und wie er bis 1980 auch am Gotthard bestanden hat. Die Autozüge sollen im 12-Minuten-Takt verkehren.
  2. Im neuen NEAT-Basistunnel zwischen Erstfeld und Biasca wird ein Verlad für Lastwagen eingerichtet. Diese Züge sollen alle 20 Minuten verkehren.

Die Kapazitäten reichen aus, falls – wie vom Parlament gesetzlich fixiert – der Lastwagenverkehr bis 2019/2020 auf die Hälfte reduziert wird. Zählungen des ASTRA zeigen zudem, dass fast 50 Prozent der Fahrzeuge am Gotthard ausländische Kontrollschilder haben. Ein Teil davon dürfte während der Sanierung den Gotthard meiden. Die Preise für den Verlad könnte die Politik auf 20 Franken pro Auto (wie am Lötschberg) und auf 150 Franken pro Lastwagen (wie am Brenner-Pass) festlegen.

Alf Arnold, Geschäftsführer Alpen-Initiative, wies auf die heikle Phase hin, in der sich die Verlagerungspolitik befindet. Selbst der Bundesrat sage heute, dass nur eine Alpentransitbörse zum Ziel führe. Für Nationalrat Fabio Pedrina, Präsident der Alpen-Initiative, ist klar, dass das Tessin während der Sanierung nicht von der übrigen Schweiz isoliert werden darf. Gleichzeitig kann es touristisch aufgewertet und gefördert werden. Fabio Pedrina ist überzeug davon, dass dies mit dem vorgestellten Verladekonzept, kombiniert mit dem neuen Basistunnel und den verkürzten Reisezeiten, gelingen kann.

Kontakt:
→ Hugo Wandeler, dipl. Arch. ETH/SIA, Planer FSU, Zürich, 044 318 78 24
→ Hugo Fessler, dipl. Ing. ETH/SVI, Luzern, 079 641 04 71
→ Alf Arnold, Geschäftsführer Alpen-Initiative, 079 711 57 13
→ Fabio Pedrina, Präsident Alpen-Initiative, 079 249 29 42

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Verkehrsinfrastruktur und Verkehrsaufkommen am Gotthard
Ein Ersatzangebot für den Strassenverkehr während der Sanierung des Gotthard-Strassentunnels geht davon aus, dass die Hälfte des Schwerverkehrs bis dann auf die Schiene verlagert ist. Vom Personenverkehr dürfte ein Teil der Transits die Schweiz umfahren. Es bleibt ein Bedarf für rund 400 Personenwagen und 60 Lastwagen pro Stunde.
von Hugo Wandeler, dipl. Arch. ETH/SIA, Planer FSU, Zürich

Der Gotthard ist ein Herzstück im Schweizer Strassennetz. Es hat aber 600 Jahre gebraucht, bis, ausgehend vom „stiebenden Steg“ in der Schöllenen (1228), eine durchgehend befahrbare Strasse über den Gotthard (1830) gebaut war. Dann dauerte es nur noch 50 Jahre bis zur Eröffnung der Gotthardbahn mit dem Eisenbahntunnel Göschenen–Airolo als Kernstück. Damals (1882) hatte man geglaubt, diesen grossen Berg endgültig für den Verkehr bezwungen zu haben.

Doch die Mobilitätsansprüche wuchsen weiter und hundert Jahre später, im September 1980, war mit der Eröffnung des Gotthard-Strassentunnels eine weitere Komfortstufe erreicht: die freie Fahrt durch den Gotthard im eigenen Auto oder Lastwagen, auch im Winter, wenn die gut ausgebaute Strasse über den Pass wegen Schnee und Lawinengefahr nicht befahren werden konnte. Für PW, kleinere Lastwagen und Cars stand zwar ein Bahnverlad zur Verfügung.

Auch diese zweite Röhre zwischen Göschenen und Airolo konnte die weiter steigenden Mobilitätsbedürfnissen nicht befriedigen: Zur Zeit wird, als Kernstück der NEAT, der Gotthard-Basistunnel Erstfeld–Biasca mit zwei Röhren von 57 km Länge erstellt und wenn der Zeitplan eingehalten wird, werden auf der Gotthardstrecke ab 2017 Züge mit 200 km/h verkehren, weil die Bahn dann keine Steigungen mehr überwinden muss, sondern als Flachbahn unter diesem Berg durchfährt. Die Reisenden werden den Gotthard dann nicht mehr als Berg erleben, sondern nur noch als dunkles, heisses Loch, das in weniger als 20 Minuten durchfahren ist.

Auch mit der NEAT sind die Ansprüche an die Verkehrsinfrastruktur am Gotthard noch nicht abgedeckt: Einige verlangen eine zweite Autoröhre, weil die bestehende Tunnel überlastet und zu wenig sicher sei. Und weil diese bestehende Röhre nach nun 30 Jahren Betrieb grundlegend saniert werden muss, wird eine zweite Röhre als Ersatz während der Bauzeit gefordert.

Diesem Begehren steht ein grundsätzliches Hindernis entgegen: Der vom Schweizer Volk in einer denkwürdigen Abstimmung am 20. Februar 1994 beschlossene Verfassungsartikel über den Alpenschutz. Wenn früher die Berge als Bedrohung für den Menschen erlebt wurden, ist es heute umgekehrt: Die Immissionen des Verkehrs zerstören das labile Gleichgewicht der Umwelt, insbesondere in den Bergen. Im Alpenraum darf deshalb die Kapazität für den Strassenverkehr nicht mehr erhöht werden und am Gotthard muss der Güterschwerverkehr auf etwa die Hälfte der heutigen Belastung reduziert werden.

Der Gotthard-Strassentunnel kann jedoch, wie wir mit unserer Studie zeigen, auch ohne eine weitere Röhre saniert werden. Die mit der NEAT ab 2017 bestehenden drei Bahnröhren genügen als temporärer Ersatz.

Ausgangspunkt unserer Überlegungen sind die heutigen Verkehrsbelastungen. Der Gotthard- Strassentunnel wird wegen den periodischen Staumeldungen in den Medien als nationales Verkehrsproblem und Nadelöhr wahrgenommen. Diese Staus betreffen jedoch vor allem den Freizeitverkehr an ausgewählten Tagen und Stunden. Objektiv betrachtet ist die Verkehrsbelastung des Gotthard-Strassentunnels mit durchschnittlich 16'600 Fahrten pro Tag vergleichsweise bescheiden. Die grossen Verkehrsprobleme in der Schweiz liegen in den Zentren und im Mittelland, wo Verkehrsbelastung bis 100'000 Fahrzeuge und mehr pro Tag die Regel sind. Verkehrsinfrastrukturen können nicht auf Spitzenbelastungen dimensioniert werden, – schon gar nicht in einem technisch und finanziell derart aufwändigen Teilstück wie im Gotthard.

Der Gotthard-Strassentunnel ist eine wichtige, aber keineswegs die einzige Nord-Süd-Verbindung im Schweizer Alpenraum. Wenn der Gotthard-Strassentunnel aus irgendeinem Grunde nicht befahren werden kann, steht ein vielfältiges Alternativangebot zur Verfügung.

Die Gesamtbelastung des Gotthard-Strassentunnels liegt seit 2001 bei rund 6 Mio. Fahrten pro Jahr. Davon sind rund 4,5 Mio. Personenwagen, 1 Mio. Lastenzüge und grosse Lastwagen (Güterschwerverkehr) und 0,5 Mio. Cars, kleinere Lastwagen und Lieferwagen. Diese Belastung verteilt sich jedoch sehr unterschiedlich über das Jahr: Eine grössere Belastung besteht nur im Juli und August, für den Rest des Jahres reicht das Angebot gut aus, und Stau wegen Überlastung durch PW-Verkehr tritt lediglich an rund 30 Tagen pro Jahr auf.

Von Bedeutung ist auch der Anteil Fahrzeuge mit ausländischen Kontrollschildern, der gemäss einer detaillierten Erhebung des ASTRA im Jahre 2005 nahezu 50% ausmacht. Wenn der Gotthard-Strassentunnel nicht zur Verfügung steht, wird sich ein erheblicher Teil dieses Verkehrs auf andere Achsen verlagern oder gar nicht stattfinden. Wir rechnen vorsichtig mit einer Verlagerung von lediglich 10 – 15%.

Massgebend für die Dimensionierung eines Ersatzangebotes für den Strassentunnel ist der durchschnittliche Werktagsverkehr. Pro Stunde und Richtung werden am durchschnittlichen Werktag in den Spitzenstunden rund 550 Fahrzeuge pro Stunde gezählt. Davon sind etwa 80% (also 440) Personenwagen. Bei Annahme einer Verlagerungsrate von bescheidenen 10% verbleiben noch rund 400 Personenwagen pro Stunde und Richtung, für welche ein Ersatzangebot bereitgestellt werden muss.

Beim Güterschwerverkehr wird das Verlagerungsziel der Alpeninitiative, also rund 500'000 grosse Lastwagen pro Jahr als Massstab genommen (die restlichen 150'000 LKW verkehren über die andern drei Alpenübergänge). Verteilt auf 260 Werktage und 16 Stunden Betriebszeit müssen im Mittel rund 60 Lastwagen pro Stunde transportiert werden.

Abschliessend noch ein Wort zur Sicherheit:

Eine zweite Röhre wird u. a. auch mit der mangelnden Sicherheit des zweispurigen Strassentunnels begründet. Die Unfallstatistik zeigt, dass dieses Argument heute nicht mehr zutrifft. Seit dem grossen Brand im Tunnel sind die Sicherheitsvorkehren massiv verbessert worden und die Zahl der Unfälle ist entsprechend zurückgegangen. Mit im Schnitt weniger als 10 Unfällen auf rund 100 Mio. Autokilometer hat der Gotthard-Strassentunnel einen hohen Sicherheitsstandard erreicht. Das Konzept der Rollenden Strassen wird die Sicherheit während der Sanierungszeit noch erhöhen, weil die Fahrzeuge auf sicheren Schienen transportiert werden und Personenwagen und Lastwagen vollständig getrennt sind.

Bern / Zürich 11.2.2010

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Konzept der zwei rollenden Strassen für Personenwagen und Lastwagen
Eine rollende Strasse für LKW und eine solche für PW können zusammen während der Sanierungszeit den gesamten Strassenverkehr aufnehmen. Die mutmasslichen Jahreskosten von 165 Mio. Franken können mit mässigen Gebühren fast vollständig finanziert werden.
von Hugo Fessler, dipl. Verkehrsing. ETH/SVI, Luzern
Im Gotthard-Scheiteltunnel stehen nach Eröffnung des Basistunnels grosse Kapazitäten zur Verfügung. Das äusserst enge Profil lässt aber den Transport von Lastwagen mit den üblichen 4 m Eckhöhe nicht zu. Zudem sind in Göschenen und Airolo die Verladeanlagen immer noch vorhanden, die vor Eröffnung des Gotthard-Strassentunnels die Verbindung Tessin–Deutschschweiz während der Wintersperre der Passstrasse gewährleistet haben. Der Basistunnel bietet auf Grund des grossen Tunnelprofils und der Tatsache, dass für Lastwagen damit die Fahrt über die Steilrampen vermieden wird, optimale Voraussetzungen für den Bahntransport der LKW. Somit drängen sich die rollende Strasse für PW durch Scheiteltunnel und jene für LKW durch den Basistunnel geradezu auf. Für Cars sind spezielle Lösungen zu definieren.

1. Rollende Strasse für Personenwagen

Mit kleineren Eingriffen in Göschenen und Airolo – vor allem durch eine neue Einbindung in die Gleisanlage – können die Verladegleise je bis auf gut 450 Meter verlängert werden. Abzüglich der Lok und des Steuerwagens (mit Platz für die Motorräder) ermöglicht dies eine Lade-Nutzlänge pro Zug von 400 m oder 80 PW. Für die erwähnten erforderlichen 400 PW pro Stunde und Richtung ergibt dies somit 5 Züge oder einen 12-Minuten-Takt für die durchschnittlichen Spitzenstunden. Für noch höhere Belastungen ist sogar ein 8-Minuten-Takt denkbar, damit könnten bis 600 PW pro Stunde und Richtung bewältigt werden. Wir rechnen im Mittel für beide Richtungen zusammen mit 160 Zügen pro Tag während einer Betriebsdauer von 24 Stunden. Nach Mitternacht genügt z. B. ein Stundentakt. (Am Lötschberg gibt es übrigens eine Nachtpause.) Bei einer angenommenen Auslastung von 90% bedeutet dies eine Menge von 11‘000 PW pro Tag oder hochgerechnet die besagten 4 Mio. PW pro Jahr.

Jeder PW-Terminal braucht mindestens 2 Rampengleise. In Göschenen sind diese vorhanden, in Airolo muss die Verladerampe neu konzipiert werden. Der Verlad und Entlad für die PW erfolgt analog zum Lötschberg seitlich. Damit der Verlad schnell erfolgen kann, müssen immer genügend Fahrzeuge möglichst nahe beim Zug warten können. In Göschenen muss dazu die Strasse zwischen Autobahnausfahrt und Terminal auf einem kurzen Stück verbreitert werden. In Airolo ist genügend Platz vorhanden. Zudem sind verkehrsorganisatorische Massnahmen notwendig.

Die Zufahrt von der Autobahn zu den Terminals tangiert die Dörfer nicht. Sie erfolgt in Göschenen direkt von der Autobahnausfahrt über den Kreisel an der Kantonsstrasse. In Airolo können die Autos unmittelbar vor dem Portal des Strassentunnels über eine bestehende Strasse zum Terminal geführt werden. Für grössere Staus steht auch noch die Autobahn zur Verfügung, die ja während der Sanierungszeit nicht benutzt wird. Für den Regionalverkehr muss dabei aber die Ausfahrt frei gehalten werden.

Notfalls stünde in Göschenen östlich der Reuss eine zusätzliche Fläche zur Verfügung, die direkt von der Umfahrungsstrasse Richtung Schöllenen aus erreicht werden kann. Auch in Airolo ist eine Erweiterung denkbar. Beide würden aber grosse Investitionen verursachen.

2. Rollende Strasse für Lastwagen

Die Verladeanlagen für Lastwagen bei Erstfeld und Biasca müssen vollständig neu erstellt werden. Es gilt ein optimales Verhältnis zwischen Zuglängen und Terminal-Dimensionen zu finden. Bezüglich Motorisierung und Belade- resp. Entladevorgang einerseits und der notwendigen Flächen anderseits scheint eine Lade-Nutzlänge pro Zug von 500 m oder 25 LKW dies zu treffen. Die erforderlichen gut 1000 LKW pro Tag können mit 3 Zügen pro Stunde und Richtung während 16 Stunden an 260 Tagen jährlich bei einer Auslastung von 80% bewältigt werden. Für die Züge sind zwei Loks an den Enden und ein Begleitwagen vorgesehen.

Während der Zeit, in der die LKW-Rola im Basistunnel in Betrieb ist, muss das Betriebskonzept derart optimiert werden, dass genügend Fahrplantrassen auch für den normalen Güterverkehr angeboten werden können. Die Massnahme, dass die Reisezüge während dieser Phase nicht mit der Maximalgeschwindigkeit verkehren können, ist vertretbar. Ausserdem wird der Ceneri-Basistunnel voraussichtlich erst zwei Jahre nach dem Gotthard-Basistunnel eröffnet.

Als Standort der Terminals in der Nähe der Tunnelportale Erstfeld und Biasca bieten sich Gelände an, die heute als Installationsplatz für die Bahntechnik des Basistunnels beansprucht werden. Auf den je gegenüberliegenden Seiten der neuen Bahnlinie gibt es ebenfalls geeignete Flächen. Zusätzlich braucht es, falls dies nicht anderswo möglich ist, noch Abstellgleise für nicht benötigte Züge. Die Autobahnanschlüsse befinden sich im Norden und im Süden in der Nähe, so dass die Lastwagen ohne Tangierung der Bevölkerung zu den Terminals gelangen können.

Jeder LKW-Terminal braucht mindestens drei Rampengleise. Nach Ankunft des Zuges im Terminal werden die Lok und wo nötig der Begleitwagen abgekoppelt und eine mobile Rampe angeschoben, um den Entlad und anschliessend den Auflad der LKW zu ermöglichen.

3. Investitionsaufwand, Kosten, Wirtschaftlichkeit

Der Investitionsaufwand wird für die Terminals Göschenen auf 10 Mio. Fr., Airolo auf 30 Mio. Fr. und für Erstfeld und Biasca auf je auf 100 Mio. Fr. geschätzt. Für die benötigten zehn Kompositionen für den LKW-Verlad wird der Aufwand mit 144 Mio. Fr., für die sechs Züge für den PW-Verlad mit 60 Mio. Fr. angenommen. Als Loks werden heute im Einsatz stehende, dann zumal abgeschriebene Fahrzeuge vorgesehen.

Die jährlichen Kosten für Abschreibung, Betrieb und Unterhalt der Rola und der Terminals sowie die Trassebenützung werden mit 125 Mio. Fr. für die LKW-Rola und 40 Mio. Fr. für die PW-Rola beziffert. Das ergibt total 165 Mio. Franken pro Jahr.

Angesichts der Ersparnis an Weg und Zeit sowie Treibstoff gehen wir davon aus, dass für die Benützung der Rolas Gebühren erhoben werden können. Mit 20 Fr. für PW wie am Lötschberg und 150 Fr. für LKW wie am Brenner pro Fahrt ergibt sich ein Ertrag von gut 150 Mio. Fr. Damit können die ausgewiesenen Kosten praktisch gedeckt werden. Es wird aber von der Politik zu entscheiden sein, wie weit die Rola kostenpflichtig sein soll.

Bern / Luzern 11.2.2010
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Vierter Verlagerungsbericht des Bundesrates (2007-2009)
Die Verlagerungspolitik befindet sich in einer sehr heiklen Phase. Wird heute nicht gehandelt, so droht ein grösserer Rückschlag. Der Bundesrat und das Parlament sind gefordert, kräftig Gegensteuer zu geben.
Von Alf Arnold Rosenkranz, Geschäftsführer Alpen-Initiative

Der neue Verlagerungsbericht ist fast so etwas wie die lang erwartete, ehrliche Beichte… Wie die Alpen-Initiative schon vor Jahren gefordert hat, ist nun eine externe Evaluation der Verlagerungspolitik durchgeführt worden, die massgeblich zur offenen Neubeurteilung beigetragen haben dürfte.

  • Der Bundesrat gibt zu, dass nur die Alpentransitbörse die Verlagerung zum Ziel bringen kann. Er gibt zu, dass ohne weitere Massnahmen auch das Zwischenziel von 1 Mio. Fahrten im Jahr 2011 nicht erreichbar ist. Er gibt zu, dass die LSVA die negative Wirkung der erhöhten Gewichtslimite nicht vollständig kompensiert hat und von dort keine weitere Verlagerungswirkung zu erwarten ist. All das hat die Alpen-Initiative schon lange gesagt.
  • Eine separate Studie zeigt auch, dass der Lötschberg-Basistunnel keinen signifikanten Verlagerungseffekt hatte. Der Bundesrat stimmt deshalb auch den Grundaussagen unserer Studie über die zu erwartende bescheidene Verlagerungswirkung des Gotthard-Basistunnels zu.
  • Der Verlagerungsbericht hält auch fest, dass vom laufenden Zahlungsrahmen von 2,8 Milliarden Franken zur Unterstützung des Eisenbahngüterverkehrs bis zum Auslaufen Ende 2010 voraussichtlich 600 Mio. Franken nicht ausgeschöpft werden. Auch die für Terminalbauten eingestellten Gelder wurden nur zu 50% abgeholt, was aber offenbar eher technische Ursachen hatte.
  • Wichtig ist auch: Es gibt vorläufig offenbar noch genügend Schienenkapazitäten auf der Nord-Süd-Achse: Die heutigen Schienenkapazitäten für den Güterverkehr wurden 2008 durchschnittlich nur zu 66% genutzt, auch wenn zu gewissen Zeiten gelegentlich Engpässe auftauchten.
  • Beunruhigend, aber auch nicht überraschend, sind die Aussagen zur gegenwärtigen Konjunkturkrise: Sie könnte den Modalsplit nachhaltig zum Nachteil der Schiene verändern. Zum einen hat die Bahn sehr viel mehr Verkehr verloren als die Strasse (im ersten Semester 2009 24% gegen 14% auf der Strasse), zum andern ist sie erfahrungsgemäss beim nächsten Aufschwung wegen ihrer eingeschränkten Flexibilität weniger schnell wieder im Geschäft.

Und was sind die guten Vorsätze des Bundesrates?
Der Bundesrat will zusätzliche Massnahmen prüfen: Intensivierung der int. Zusammenarbeit unter Einbezug von Akteuren aus Politik, Forschung und Transportwirtschaft; Erstellung eines Masterplans, evt. mit Selbstverpflichtung der Akteure; Fahrverbote für gewisse Fahrzeugklassen und bestimmte Güter. Hauptinstrument bleibt aber die Alpentransitbörse, die in ein umfassendes und nachhaltiges Verlagerungskonzept eingebunden werden soll. Diesen Vorschlägen können wir zustimmen, wenn sie tatsächlich umgesetzt werden. Auch die internationale Einbettung der Alpentransitbörse ist sinnvoll, soll aber nicht dazu dienen, die Realisierung endlos zu verzögern.

Aus unserer Sicht könnten kurzfristig folgende Instrumente ergänzt werden, um das Zwischenziel 2011 zu erreichen: 

  • Das Dosiersystem am Gotthard muss verschärft werden. Werden die Lastwagen als 4 statt nur als 3 PW-Einheiten gerechnet, sinkt die Zahl der LKW und gleichzeitig erhöht sich die Sicherheit im Gotthardtunnel (die Erfahrungen zeigen, dass eine höhere Sicherheit im Tunnel über ein strengeres Management des LKW-Verkehrs erreicht werden kann). 
  • Der Bundesrat soll einen allfällig negativen den Entscheid des Bundesgerichts nicht passiv abwarten, sondern schon jetzt Ausgleichsmassnahmen an die Hand nehmen. Die externen Kosten des Strassengüterverkehrs als Basis für die LSVA sind unverzüglich neu zu berechnen. Durch Anrechnung von mehr Kostenelementen (insb. beim Klima) und der Teuerung kann die bereits einmal beschlossene Erhöhung begründet werden, so dass das entstandene Loch bei den LSVA-Einnahmen wieder gestopft werden kann. 
  • Der Zahlungsrahmen 2000-2010 ist für Investitionsbeiträge zu öffnen. Die Bahnen neigen in der Wirtschaftskrise dazu, alle augenblicklich überzähligen Kostenfaktoren abzustossen und die Preise zu erhöhen (!). Die abgestossenen Betriebsmittel werden ihnen beim Wiederaufschwung fehlen - und wegen den erhöhten Preise möglicherweise auch die Kunden. Der Bund kann ihnen helfen, sich rechtzeitig für den Wiederaufschwung bereit zu machen. 
  • Aus dem Zahlungsrahmen sind - soweit nötig - auch Infrastrukturinvestitionen von ZEB vorzufinanzieren.

Bern / Altdorf, 11.2.10

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Zusammenfassung und Kommentar

 Der Kanton Tessin darf während der Sanierung des Gotthard-Strassentunnels nicht von der Deutschschweiz abgeschnitten werden. Dieses Anliegen teilt auch die Alpen-Initiative. Sie sieht die Sanierungszeit aber eher als eine Chance denn als Nachteil für den Kanton. Das Parlament hat es zudem in der Hand, mit der Beratung der Standesinitiativen Tessin und Uri die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene zu beschleunigen und zu sichern.

Von Nationalrat Fabio Pedrina, Präsident Alpen-Initiative
Der Tessin darf während der Sanierungszeit nicht von der Deutschschweiz isoliert werden. Das ist auch ein Anliegen der Alpen-Initiative. Mit der vorliegenden Studie haben wir gezeigt, dass dies möglich ist, ohne dass vorgängig eine verfassungswidrige zweite Röhre gebaut wird.

Im Übrigen zeigen die Statistiken, dass die mehrwöchigen Unterbrüche der Gotthardachse auf der Strasse dem Tourismus im Tessin kaum geschadet haben. Die Übernachtungszahlen sind in den Jahren 2006 (Felssturz bei Gurtnellen) wie schon 2001 (Tunnelbrand) kaum geringer als in den andern Jahren:

 

Orange = höher als im Ereigniszeitraum // Grün = tiefer als im Ereigniszeitraum
Vom Jahr 2004 fehlen jegliche Zahlen.

Offenbar wird der Tourismus im Tessin nicht wesentlich von der Verfügbarkeit der A2 bestimmt, sondern von vielen andern Faktoren. Anderseits müssen wir befürchten, dass der Bau einer zweiten Röhre den Touristen einen Anlass zum Verweilen im Tessin nimmt. Je schneller die Strasse wird, umso weniger haben Touristen Grund, im Tessin eine Pause einzulegen bzw. einen längeren Aufenthalt einzuschalten.

Die Alpen-Initiative betrachtet die temporäre Schliessung des Gotthard-Strassentunnels als eine Chance, den autofreien Tourismus im Tessin zu lancieren und zu fördern. Denn vor der Sanierung des Strassentunnels und der Inbetriebnahme der von uns vorgeschlagnen rollenden Strassen wird der Gotthard-Basistunnel eröffnet, und die Eisenbahn bietet bisher unbekannt kurze Fahrzeiten in den Süden. Ausserdem ist zum Zeitpunkt der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels auch die Expo „Gottardo 2020“ geplant. Gemäss den Absichten der Initianten soll der Verkehr zwischen den verschiedenen Standorten der Ausstellung nördlich und südlich der Alpen auf der Schiene abgewickelt werden. Wird der öffentliche Regionalverkehr von den Zentren in die Täler mit Angeboten wie Bustaxi, Mobility etc. ergänzt, so wird der öffentliche Verkehr zu einer attraktiven Alternative. Auch ein autofreies Wochenende im Tessin wäre so möglich. Die Alpen-Initiative hat schon vor Jahren Vorschläge gemacht, wie durch Pauschaltickets von der Deutschschweiz aus ins Tessin inkl. Regionalverkehr (analog zu den bestehenden City-Tickets) auch im Tarifbereich die Attraktivität der Bahn gesteigert werden könnte. Wir sind zuversichtlich, dass auf diese Art mehr Touristinnen und Touristen dazu gebracht werden können, im Tessin zu verweilen statt nur hin- und gleich wieder zurückzufahren.

Noch ein paar Worte zu Verlagerungspolitik:

Das Parlament wird demnächst den Verlagerungsbericht diskutieren und dabei frustriert feststellen, dass die Verlagerung nicht die gewünschten Fortschritte macht. Das ist auch nicht erstaunlich, denn das gleiche Parlament hat sich auch gegen die Aufnahme von griffigeren Instrumenten in das Verkehrsverlagerungsgesetz (VVG) 1999 und zehn Jahre später in das Güterverkehrsverlagerungsgesetz (GVVG, 2008) gewehrt. Und die entscheidende Einführung der Alpentransitbörse erfordert gemäss Beschluss des Parlaments noch einmal ein Gesetz und ist nochmals dem Risiko eines Referendums ausgesetzt.

Mit den Standesinitiativen der Kantone Tessin und Uri, die vom Ständerat unterstützt werden, hat das Parlament aber nochmals eine Gelegenheit, beim Verlagerungskonzept Korrekturen anzubringen. Im Sinne einer Umsetzung der Initiativen könnte es beschliessen, das GVVG nachzubessern.
Die Alpentransitbörse könnte entscheidend schneller eingeführt werden: 

  1. Wenn das Parlament dem Bundesrat zusätzlich zur Kompetenz, Verhandlungen zu führen und Verträge abzuschliessen, auch die Kompetenz erteilen würde, die Alpentransitbörse selbständig einzuführen.
  2. Wenn das Parlament bereits jetzt ein Ausführungsgesetz mit den Eckwerten der Alpentransitbörse erlassen würde.

Ein weiterer Zeitgewinn wäre möglich, wenn die Ausführungsverordnung zur Alpentransitbörse zeitlich parallel zu den Verhandlungen mit der EU und den Nachbarländern entwickelt würde und nicht erst nach Abschluss der entsprechenden Abkommen.

Eine Lücke im Verlagerungsinstrumentarium besteht nach Ansicht der Alpen-Initiative auch im Bereich der Qualität des Bahnangebots. Darauf ist unter einer längerfristigen Optik viel Gewicht zu legen. Dazu müssten vor allem innovative Ansätze durch Forschungsgelder und Anschubfinanzierungen gefördert werden. Auch zu diesem Zwecke könnten die Überschüsse aus dem Zahlungsrahmen 1999 verwendet werden. Ein Beispiel eines innovativen Ansatzes ist der Güterpendelzug von RailValley (www.railvalley.org). 

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